Im Rückblick

03.07.2012 // Sina Trinkwalder: „Irgendwas mit Nachhaltigkeit – von den Widrigkeiten und Widerständen einer Sozialunternehmerin“

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„Mein Luxus ist es, keine Strategie zu haben“

Im sonnendurchfluteten Garten der GLS Bank berichtete Sina Trinkwalder, Gründerin von „manomama“ und Social Entrepreneur der Nachhaltigkeit 2011, über die Entstehungsgeschichte ihres Unternehmens und wie Twitter ihr half, das zu werden, was sie heute ist: eine ebenso erfolgreiche wie schlagfertige Unternehmerin mit Mut zum Umdenken und außergewöhnlichen Kommunikationserfahrungen.

Bis vor gut zwei Jahren begleitete Sina Trinkwalder mit ihrer eigenen Werbeagentur kommunikativ das Change Management großer Unternehmen. Während etlicher Umstrukturierungsmaßnahmen in den Häusern ihrer Kunden verloren viele Frauen mittleren Alters ihre Jobs.

Und plötzlich machte es „Klick“ im Kopf der Schwäbin: „Ich wollte weiterhin Kommunikation und Werbung betreiben, aber ohne diese Lügerei“. Sie setzte sich das Ziel, die Frauen, die von Arbeitsagenturen als „nicht vermittelbar“ eingestuft werden, wieder in Arbeit zu bringen. Zu diesem Zeitpunkt gab es im Augsburger Raum 4000 dieser Frauen, da deren Beruf der Konfektionärin als nicht mehr zeitgemäß eingestuft wurde.

Daraus entstand die Idee, eine Näherei in Augsburg mit regionaler Wertschöpfungskette zu gründen. Das einzige Problem bestand zu dieser Zeit darin, dass Trinkwalder noch keinerlei Erfahrungen in der Näherei besaß. Glücklicherweise entdeckte die Mutter eines 4jährigen Sohnes in diesen Tagen Twitter als Privatmedium für sich. Dort stellte sie all ihre Fragen zur Näherei und erhielt hilfreiches Feedback. So entstand Trinkwalders Netzwerk, das auf gegenseitigem Interesse und Hilfestellungen beruhte: Trinkwalders Follower gaben ihr Tipps zum Nähen und Trinkwalder konnte hier und da mit ihrer Werbeerfahrung bei Fragen rund um Kommunikation helfen.

So entwickelte sich nicht nur eine Beziehung zwischen der Augsburgerin und ihren Followern, sondern langsam und im Zwischenspiel mit den Twitterern auch die Existenz des Unternehmens „manomama“. Trinkwalder findet dafür deutliche Worte: „Ohne Twitter gäb’s mich nicht“.

Ein unbestreitbar elementarer Faktor des Erfolgs von „manomama“ ist die Kommunikation. Diese beschreibt Trinkwalder als „authentisch, ungeplant und schnell“. Gegen ganzheitliche Strategien scheint Trinkwalder allergisch zu sein: „Strategien bremsen aus. Viele Richtlinien und Abstimmungsrunden behindern die Kreativität, weil die erste Idee meistens die beste ist“.

Im Allgemeinen verfolgt „manomama“ in Social Media die Devise „Qualität statt Quantität“. „Mir ist es alles andere als peinlich, mich hier mit 3.700 Facebook-Fans hinzustellen. Denn ich weiß, dass unsere Anhänger – in welchem Netzwerk auch immer – unheimlich engagiert sind und das ist es, was für mich zählt“. Zu Facebook hat Trinkwalder ohnehin eine ganz eigene Meinung: „Facebook ist für mich ein Blödel-Medium, eine Methode, um mit Spaß zu kommunizieren. Alle Unternehmen, die Facebook planen, sind in der Regel nicht erfolgreich. Der Vorteil an Facebook ist einfach die Leichtigkeit der Kommunikation“.

Zuletzt hält Kommunikationsexpertin fest: „Unsere Markenkernwerte sind letzten Endes wichtiger als unsere Produkte. Uns gelingt es, Menschen durch unser Konzept zu begeistern, das auf Respekt vor Menschen, Tieren und Umwelt fußt.“