29.07.2009 // Marcus Gloria: „Bochum Total“ – Ein Rückblick

Veröffentlicht von Geschäftsstelle MC Bochum

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Bochum Total in der Nachbetrachtung und: Was bringt die Zukunft für Bochum als Veranstaltungsstandort.

Zu Beginn des Clubabends am 29. Juli präsentierten Heri Reipöler, Geschäftsführer der Agentur Radar, und Björn Gralla, Geschäftsführer der Contra Promotion Agentur, ihr Konzept einer neuen Großveranstaltung in den Ruhrwiesen am Kemnader See.

Unter dem Motto ‘Zeltfestival Ruhr‘ wollen die beiden Agenturen im Verbund mit ihrem Gastronomiepartner Livingroom siebzehn Tage lang eine unterhaltsame Erlebniswelt bieten. Freimütig bekennen sie, das Rad nicht neu erfinden zu wollen, sondern ein Konzept zu adaptieren, dass sich bereits in Süddeutschland bewährt hat. Im Hinblick auf die Größenordnung und die verbundenen wirtschaftlichen Risiken des Projektes wurde die Planung vorrangig auf Nachhaltigkeit und somit auch auf Langfristigkeit angelegt. Daraus resultiert unter anderem eine heterogene Programmstruktur, die sich allen Altersgruppen darbietet. Deutlich wird es im musikalischen Part, beispielsweise in der Bandbreite von ‚Fanta 4‘ bis ‚Hermann van Veen‘.

Dabei kam es den Initiatoren durchaus entgegen, dass sie nach kurzer Skepsis relativ schnell und frühzeitig starke Partner im Revier gefunden haben. Bleibt zu wünschen, dass das gesteckte Ziel von 100.000 Besuchern erreicht wird. Dafür sollen neben dem umfangreichen, attraktiven Unterhaltungs- und Gastronomieprogramm sowie starken Medienpartnern nicht zuletzt auch mehr als 2.500 Parkplätze sowie ein angenehmer Shuttleservice in Kooperation mit der Bogestra beziehungsweise dem VRR sorgen.

Die Anspannung vor der Premiere braucht Marcus Gloria, Inhaber der Agentur Cooltour und Referent des Hauptthemas ‘Bochum Total‘, nicht mehr zu fürchten. Sie liegt bereits über zwanzig Jahre zurück und kann sich seitdem steigender Beliebtheit, weit über den Austragungsort Bochum hinaus, erfreuen. Entstanden ist dieses Musikevent aus der Idee der früheren Bandmitglieder Gloria und Reipöler, die Rock- und Popmusik durch eine geeignete Veranstaltung bekannter zu machen. Man verstand sich sozusagen als die freie Kulturszene und war nicht zu unrecht stolz auf die eigene freie Finanzierung, mit der sich ‚Bochum Total‘ im Bermuda Dreieck von Jahr zu Jahr weiter entwickeln konnte. Wobei Gloria hier den Querverweis auf die berühmte Frage „Wer war nun eher da, Henne oder Ei?“ machte.

Demnach vertritt er die Auffassung, dass ‚Bochum Total‘ das Bermuda Dreieck groß gemacht hat, während dessen „geistiger Vater”, Leo Bauer, sein Bermuda Dreieck als Katalysator für ‚Bochum Total‘ ansieht. Sei´s drum, beides ist da, beides boomt. Dabei ist es schon erstaunlich, dass ‚Bochum Total‘ die ersten fünfzehn Jahre seitens der Verwaltung lediglich geduldet worden ist. Als Marketingfaktor ist das Event erst ab 1998 verstanden worden.Bochum totalGleichwohl gibt es weiterhin keine Subvention. Tatkräftige Unterstützung resultiert allerdings aus der Partnerschaft mit dem Radiosender 1Live. Mit der WAZ und dem Szenemagazin Heinz ist daneben auch der Printbereich flächendeckend und ruhrgebietsweit vertreten.

Da wird es nachvollziehbar, dass ‚Bochum Total‘ als Marke und Leuchtfeuer des kulturellen Angebotes der designierten Kulturhauptstadt Europas, Ruhr.2010, verstanden werden will. Immerhin wird das Festival im Jahre 2010 bereits zum fünfundzwanzigsten Mal über die Bühne gehen. Gloria verweist darauf, dass neben Forschung und Medizin auch die Kreativwirtschaft boomt und sieht auch die Präsenz der Loveparade im Revier als wegweisende Bereicherung.

Interessant in diesem Zusammenhang auch der Hinweis, dass ‚Bochum Total‘ beispielsweise durchschnittlich 0,30 Cent bis einen Euro in die Besucher investiert, die ihrerseits etwa dreiundzwanzig Euro in der Stadt, das heißt für Bus, Taxi, Verpflegung und Ähnliches, ausgeben. Demgegenüber finanziert die Ruhrtriennale einen Sitz mit 360 Euro, was die Besucher schon zu Autokäufen oder vergleichbaren Ausgaben animieren müsste, um einen ähnlichen Wirkungsgrad zu erzielen wie ‚Bochum Total‘.

Zweifellos ein nachvollziehbares Beispiel und gleichzeitig Plädoyer dafür, dass von all den Millionen, die in Hochkultur investiert werden, ein wesentlicher Teil auch in Sozialkultur fließen sollte. Dazu ermuntert auch ein Kommentar aus ministeriellem Munde: „Sie produzieren Kulturprogramm zu Low Budget für viele und es wird angenommen. Das kann doch nicht ruchbar sein!“, so Christa Thoben, Ministerin für Wirtschaft, Mittelstand und Energie in NRW. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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